Man geht nah ran, kraullt den Hund hinter den Ohren – und dann ist da dieser Geruch. Süßlich, leicht muffig, manchmal auch säuerlich oder käsig. Wer ihn einmal gerochen hat, weiß sofort, dass er nicht von draußen kommt. Er kommt aus dem Ohr selbst.
Ohrgeruch beim Hund ist eines der Geruchsprobleme, das am häufigsten ignoriert wird. Entweder weil man ihn für normal hält, oder weil man nicht genau weiß, was man damit anfangen soll. Dabei ist er fast immer ein konkretes Signal – und eines, das sich mit dem richtigen Vorgehen gut in den Griff bekommen lässt.
Warum Hundeohren besonders anfällig sind
Der Gehörgang eines Hundes ist anders gebaut als beim Menschen. Er verläuft zunächst senkrecht nach unten, bevor er sich horizontal zum Trommelfell hin fortsetzt – diese L-Form sorgt dafür, dass Luft schlechter zirkulieren kann und Feuchtigkeit sich leichter anstaut.
Bei Hunden mit Schlappohren – Beagles, Cocker Spaniel, Labradore und viele andere – kommt erschwerend hinzu, dass die herabhängende Ohrmuschel den Gehörgang abdeckt und noch weniger Belüftung ermöglicht. Das ist die perfekte Umgebung für Mikroorganismen, die Wärme und Feuchtigkeit mögen.
Hefepilze und Bakterien als häufigste Auslöser
In den meisten Fällen steckt hinter dem Ohrgeruch eine Übervermehrung von Hefepilzen oder Bakterien – manchmal auch beides gleichzeitig. Beide kommen in geringer Menge in jedem gesunden Hundeohr vor. Wenn das Gleichgewicht kippt, entstehen die charakteristischen Gerüche.
Hefepilzinfektionen riechen typischerweise süßlich-muffig, leicht hefig. Bakterielle Infektionen können intensiver und unangenehmer riechen – manchmal fast käsig oder leicht faulig.
Auslöser können sein: Baden ohne gründliches Trocknen der Ohren, häufiges Schwimmen, Allergien, die das Ohrenmilieu verändern, oder einfach eine anatomische Disposition des Hundes.
Was zusätzlich auf ein Problem hindeutet
Geruch allein ist schon ein Zeichen. In Kombination mit anderen Symptomen wird das Bild klarer:
Der Hund schüttelt häufig den Kopf oder hält ihn schief. Er kratzt sich intensiv am Ohr oder reibt den Kopf am Boden. Das Ohr fühlt sich warm an oder wirkt innen gerötet. Es ist ein dunkler, wachsartiger oder krümeliger Belag sichtbar.
Wenn mehrere dieser Zeichen zusammenkommen, ist das mit ziemlicher Sicherheit keine normale Situation, die sich von selbst erledigt.
Was man selbst tun kann – und wo die Grenze liegt
Regelmäßige Ohrenreinigung ist sinnvoll und beugt vielen Problemen vor. Mit einem geeigneten Ohrenreiniger für Hunde – erhältlich beim Tierarzt oder in Zoofachgeschäften – kann man die Ohren in regelmäßigen Abständen reinigen, ohne den Gehörgang zu schädigen. Wie das konkret funktioniert, beschreibt der Artikel Hund Ohren reinigen – Schritt für Schritt erklärt.
Was man nicht tun sollte: mit Wattestäbchen tief in den Gehörgang einführen. Das kann den Schmutz tiefer hineindrücken und das Trommelfell verletzen.
Und was man definitiv nicht tun sollte: bei einer bestehenden Infektion selbst mit irgendwelchen Mitteln herumexperimentieren. Eine Ohrentzündung, die nicht behandelt wird oder falsch behandelt wird, kann sich ausbreiten und chronisch werden. Das ist dann nicht mehr nur ein Geruchsproblem.
Wann der Tierarzt nötig ist
Sobald der Geruch mehr als leicht ist, der Hund deutliche Beschwerden zeigt, oder der Belag im Ohr stark oder auffällig gefärbt ist (dunkelbraun, schwarz, gelblich) – dann gehört das zum Tierarzt. Nicht irgendwann, sondern zeitnah.
Ohrenentzündungen beim Hund sprechen gut auf Behandlung an, wenn sie früh erkannt werden. Chronische Ohrentzündungen, die sich über Monate hinziehen, sind dagegen deutlich schwieriger in den Griff zu bekommen und können auf Dauer das Gehör beeinträchtigen.
Der Geruch aus dem Ohr ist selten harmlos – aber er ist auch fast immer behandelbar. Das ist die gute Nachricht.
