Hund stinkt durch Hormone – was Hundebesitzer wissen sollten

Manchmal verändert sich der Geruch eines Hundes, ohne dass man eine offensichtliche Erklärung findet. Der Hund ist frisch gewaschen, die Ohren sind sauber, die Analdrüsen wurden kürzlich geleert – und trotzdem riecht er irgendwie anders als sonst. Intensiver, fremder, manchmal auch leicht streng.

Eine Ursache, die dabei häufig übersehen wird: Hormone. Der Hormonspiegel eines Hundes ist nicht statisch. Er verändert sich mit dem Zyklus, dem Alter, nach einer Kastration oder durch bestimmte Gesundheitszustände. Und diese Veränderungen können sich direkt auf den Körpergeruch auswirken.

Die Läufigkeit als deutlichstes Beispiel

Bei unkastrierten Hündinnen ist die Läufigkeit die Phase, in der hormonell bedingte Geruchsveränderungen am stärksten auffallen. Der Östrogenspiegel steigt, das Scheidensekret verändert sich, und der gesamte Körpergeruch verschiebt sich – oft in eine Richtung, die für Rüden in der Umgebung sofort wahrnehmbar ist, für Besitzer aber auch nicht unbemerkt bleibt.

Der Geruch während der Läufigkeit ist schwer zu beschreiben. Er ist meist tierischer, leicht metallisch-süßlich, manchmal auch leicht säuerlich. Er kommt nicht von einer einzelnen Körperstelle, sondern wirkt diffus – und er lässt sich nicht wegwaschen, weil er nicht von außen kommt.

Die Läufigkeit dauert in der Regel zwei bis drei Wochen. In dieser Zeit verändert sich der Geruch und normalisiert sich danach wieder von selbst.

Was nach der Kastration passiert

Interessant und von vielen Besitzern beobachtet: Manche Hunde riechen nach der Kastration anders – manchmal sogar intensiver als vorher, zumindest vorübergehend. Das klingt paradox, lässt sich aber erklären.

Die Kastration verändert den Hormonstatus grundlegend. Ohne die regulierenden Geschlechtshormone verändert sich auch die Hautflora und der Talg-Stoffwechsel. Bei manchen Hunden führt das dazu, dass das Fell fettiger wird oder die Haut anders riecht als vorher. Das legt sich in der Regel nach einigen Wochen bis Monaten, wenn sich der Körper an den neuen Hormonstatus angepasst hat.

Bei Rüden verändert sich nach der Kastration oft auch das spezifische „Rüdenmarkierungs-Sekret“ – der Geruch, den manche Rüden beim Markieren oder im Fell haben und der sich von Hündinnen deutlich unterscheidet.

Andere hormonelle Zusammenhänge

Weniger bekannt ist, dass auch Erkrankungen der Schilddrüse oder der Nebenniere den Körpergeruch verändern können. Eine Schilddrüsenunterfunktion etwa kann die Hautfunktion beeinflussen und zu einem muffigeren, intensiveren Fellgeruch führen. Die Haut produziert dann mehr Talg, und die Schuppenbildung kann zunehmen.

Das sind keine Geruchsprobleme, die sich mit Pflege lösen lassen. Wenn der Geruch ohne erkennbaren Auslöser dauerhaft ungewöhnlich ist und der Hund gleichzeitig andere Veränderungen zeigt – Gewichtszunahme, Trägheit, verändertes Fell – lohnt ein Blick beim Tierarzt.

Was man tun kann – und was nicht

Hormonell bedingte Gerüche lassen sich nicht durch Pflege beseitigen. Das ist der wesentliche Unterschied zu Fell- oder Zahnpflege. Man kann den Hund waschen, bürsten und die Schlafplätze reinigen – das hilft, die Gesamtsituation erträglicher zu machen, löst aber die Ursache nicht.

Was hilft, ist Geduld und Einordnung. Wenn die Läufigkeit vorbei ist, normalisiert sich der Geruch. Wenn die Kastration einige Wochen zurückliegt, stabilisiert sich der Hauthaushalt wieder. In dieser Übergangszeit kann es helfen, häufiger zu bürsten und die Schlafplätze öfter zu waschen.

Bei anhaltenden, ungewöhnlichen Gerüchen ohne klaren hormonellen Auslöser – also nicht im Zusammenhang mit Läufigkeit oder kurz nach einer Kastration – sollte man das tierärztlich abklären lassen. Nicht wegen des Geruchs an sich, sondern weil er ein Zeichen für etwas sein kann, das behandelt werden sollte.

Wer bei dauerhaftem Geruch trotz guter Pflege unsicher ist, findet im Artikel Hund riecht trotz guter Pflege – wann sollte man zum Tierarzt? eine gute Orientierung.